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Der Streik der Klinik-Ärzte in Deutschland,

unverschämt oder gerechtfertigt?

 

Die Redaktion im Gespräch mit Dr. Carsten Bramlage

 

Der monatelange Ärztestreik hat oft zu Unverständnis in der Bevölkerung geführt. Das liegt daran, dass die Medien an häufigsten über die Forderungen und »30% mehr Gehalt« und nach kürzeren Arbeitszeiten berichtet haben. Dr. Carsten Bramlage, Nikolausberger und Assistenzarzt im Klinikum, gibt uns dazu Hintergundinformationen.

 

Redaktion: Können Sie die zentralen Forderungen der Ärzte nennen?

 

C. Bramlage: Zunächst möchte ich mich einmal bedanken für die Möglichkeit, etwas ausführlicher über die Forderungen der Ärzteschaft berichten zu dürfen und damit für Unterstützung zu werben. Im Folgenden möchte ich deshalb beispielhaft fünf zentrale Forderungen der Ärzteschaft nennen. Abschaffung der Marathon-Dienste von 24 Stunden oder mehr: Ein ausgeschlafener Arzt ist sicher aufmerksamer als ein übermüdeter. Abschaffung der Kurzzeitverträge: Die meisten Assistenzärzte im Universitätsklinikum bekommen Verträge von maximal 3 Jahren. Aber nach wie vor haben einige Assistenzärzte Arbeitsverträge von gerade einmal 3 Monaten.

Reduktion der Wochenarbeitszeit: Insgesamt arbeiten viele Ärzte 60 bis 70 Stunden in der Woche. Hierbei geht es der Ärzteschaft nicht um die Reduktion der Arbeitszeit um wenige Minuten, sondern um die Reduktion auf ein verträgliches Maß sowie der Bezahlung der notwendigen Überstunden.

Leistungsgerechte Bezahlung der Arbeitsstunden: Rechnet man das Gehalt auf die Stundenzahl von 60 bis 70 Stunden um, liegt es weit unter dem vergleichbarer Berufsgruppen.

Entlastung von arztfremden Tätigkeiten: In Anbetracht der zahlreichen Überstunden, sollten die Ärzte von arztfremden Arbeiten entlastet werden. Hierzu gehört beispielsweise das Abheften von Befunden in die Krankenakten sowie die Anforderungen von Röntgentüten oder Arztbriefen.

 

Redaktion: Wie kommen die hohen Stundenzahlen von 60 bis 70 Stunden denn eigentlich zustande?

 

C. Bramlage: Die Arbeitzeit setzt sich zusammen: aus der regulären Arbeitszeit (40 Stunden), den anfallenden Überstunden und den Bereitschaftsdiensten (24 Stundendienste). Hierbei ist die Arbeitsbelastung je nach Anzahl der 24 Stundendienste (zwischen 2 und 7 pro Monat) und dem Engagement in der Forschung zwischen den Ärzten sehr unterschiedlich. Aber selbst bei moderater Dienstbelastung liegt die Arbeitszeit um Stunden höher als die reguläre Arbeitszeit.

 

Redaktion: Aber muss es denn gleich 30% mehr Gehalt sein, würde nicht auch weniger ausreichen?

 

C. Bramlage: Die Forderung nach 30% mehr Gehalt wird gerne von den Kritikern der Ärztestreiks in den Vordergrund gerückt. Richtig ist, dass viele Ärzte ein deutlich höheres Gehalt bekommen würden, wenn es eine volle Bezahlung der geleisteten Arbeitsstunden geben würde. Während es in vielen vergleichbaren Berufsgruppen deutliche Zulagen für Überstunden und Feiertagsarbeit gibt, werden die Überstunden der Ärzte oftmals nicht erfasst oder der 24 Stundendienst als Bereitschaftsdienst geringer bezahlt.

Redaktion: Wie werden die Patienten während des Streiks betreut?

 

C. Bramlage: Um die Notfallversorgung auf jeden Fall sicherzustellen, gibt es eine Notdienstvereinbarung mit dem Vorstand des Universitätsklinikums für die Streiktage. Diese regelt, wie die einzelnen Abteilungen besetzt werden. Insgesamt nimmt so nur ein Teil der Ärzteschaft im Klinikum wirklich aktiv an den Streiks teil. An den Streiktagen werden aber solche Behandlungen oder Operationen verschoben, die ohne Schaden für den Patienten sind. In diesen Fällen hoffen wir auf das Verständnis der Patienten, welches in der Regel auch vorhanden ist.

 

Vielen Dank für das Gespräch.


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Unsere Ansprechpartner im Ortsrat: 

Ortsbürgermeister Jörg Rudolph 
Burghard Wegener 
Wibke Güntzler
Dirk Beckmann

 

 

 

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